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Traktus | Insprinc

Programme Note

Im Jahre 1841 entdeckte der Historiker Dr. Waitz in der Bibliothek des Merseburger Domkapitels zwei uralte germanische Zauberformeln. Diese sogenannten Merseburger Zaubersprüche entstanden bereits in der heidnischen Zeit vor 750 und wurden im 10. Jh. wahrscheinlich im Kloster Fulda aufgezeichnet, wo sie inmitten einer theologischen Sammelschrift über Jahrhunderte verborgen blieben. Sie sind damit das älteste erhaltene Zeugnis deutscher Sprache heidnischen Inhalts. Der erste Spruch beinhaltet die Befreiung von Gefangenen und der zweite die Heilung eines Pferdes durch germanische Götter.
In Analogie zu diesem Fundort verwendet die Komposition Teile des liturgischen Traktus, an das der erste der Zaubersprüche textlich angekoppelt wurde. Durch das Delay wirkt dieser als Hinter- bzw. Untergrund, von dem sich der lateinische Text reliefartig abhebt. Das Stück entstand als Teil von "memento", einem Requiem, dass 2001 im Auftrag der Kantorei der Kreuzeskirche in Essen entstand.